Schnittfugen-Toleranz — wann, warum, wie
Der Standard-Optimierer behandelt die Schnittfuge als Konstante: jeder Schnitt entfernt exakt kerf mm Material, nicht mehr, nicht weniger. In der echten Werkstatt ist das eine nützliche Fiktion. Ein abgenutztes Blatt, ein harter Ast, eine weiche Leimfuge, ein Moment inkonsistenten Vorschubs — alles drückt die tatsächliche Schnittbreite über die nominale Schnittfuge. Das Ergebnis ist ein Schnittplan, der auf dem Papier passt und in der Werkstatt einen halben Millimeter zu lang ist.
Die Schnittfugen-Toleranz ist das Sicherheitsventil des Optimierers. Über null gesetzt akzeptiert der Fit-Check Schnitte, die den Balken/die Platte um bis zu diesem Betrag überschreiten. Die Einstellung ist pro Projekt, Standard null, im Bereich Erweiterte Einstellungen der Sidebar.
Im Klartext: Schnittfugen-Toleranz ist die Erlaubnis, leicht falsch zu liegen. Ohne sie verlangt der Optimierer eine perfekt-arithmetische Passung und greift nach einer neuen Platte, sobald die Mathematik um 0,1 mm über ist. Mit Toleranz = 2 wird ein Teil akzeptiert, das 2 mm zu lang ist — unter der Annahme, dass diese zwei Millimeter in der Praxis weggekürzt oder als leicht zu kurzes Teil akzeptiert werden.
Was tatsächlich passiert
Pseudocode des 1D Fit-Checks:
exactFit = rod.remaining ≥ piece.length + kerf
toleranceFit = tolerance > 0 UND rod.remaining ≥ piece.length + kerf − tolerance
wenn exactFit: Teil platzieren
wenn toleranceFit (und nicht exactFit): Teil platzieren, toleranceAcceptedCount erhöhen
sonst: ablehnen — nächster Stab
Der 2D-Optimierer wendet dieselbe Idee unabhängig auf Breite und Höhe an. Wichtig: exactFit wird zuerst versucht. Toleranz greift nur, wenn die exakte Passung scheitert. Man verliert nie versehentlich Ausbeute durch das Aktivieren der Toleranz — schlimmstenfalls No-op.
Der Zähler erscheint auf der Ergebnisseite als „Innerhalb Toleranz: N”. Behandeln Sie diese Zahl als Ihre Risikozahl — das sind die Teile, die vor dem Schnitt einen sorgfältigen Blick brauchen.
Wann verwenden
✅ Gute Gründe
- Alte oder abgenutzte Blätter. Ein Blatt mit tausend Metern Querschnitt-Erfahrung ist ~0,3 mm breiter als Spezifikation, wenn es zum Schärfen fällig ist.
- Weiche / faserige Materialien. Ausreißen an Weichholz, MDF oder Laminat fügt 0,5–2 mm effektive Schnittfuge pro Schnitt hinzu.
- Handgeführte Schnitte. Alles ohne Anschlag — Bandsäge-Querschnitte, Stichsäge, Handkreissäge — hat variable Vorschubkraft.
- Importierter Bedarf aus CAD. Wenn jemand anderes die Schnittliste generiert und Maße gerundet hat, deckt Toleranz die Rundung.
❌ Schlechte Gründe
- „Nur zur Sicherheit.” Wenn Ihre Säge sauber und in Spezifikation ist, versteckt Toleranz > 0 nur ein Problem.
- Wunschdenken bei knappem Auftrag. Toleranz ist keine Methode, ein 1003 mm Teil in einen 1000 mm Stab zu zwingen.
- Als Ersatz für Messen. Geratene Toleranz ist schlechter als null Toleranz.
So messen Sie Ihre echte Kerf-Variabilität
Fünf-Minuten-Test:
- Stabilen Abfall wählen. Gleiche Art, Dicke, Richtung wie Ihre übliche Arbeit.
- Zehn Querschnitte in voller Tiefe, identisches Setup. Pause zwischen Schnitten für konstante Blatttemperatur.
- Pro Schnitt: beide Hälften zusammenschieben bis sie sich berühren, Spalt mit Messschieber messen.
- Erfassen:
min,max,mittelder zehn Werte. - Schnittfuge ist
mittel. Schnittfugen-Toleranz istmax − mittel, auf nächste ganze mm aufgerundet.
Praxisbeispiel: 250 mm Holz-Sägeblatt, 12 Jahre alte Panelsäge:
| Schnitt | Breite (mm) |
|---|---|
| 1 | 3,1 |
| 2 | 3,1 |
| 3 | 3,0 |
| 4 | 3,2 |
| 5 | 3,4 |
| 6 | 3,1 |
| 7 | 3,0 |
| 8 | 3,1 |
| 9 | 3,3 |
| 10 | 3,2 |
mittel = 3,15 mm→ Schnittfuge 3,2 mm.max − mittel = 0,25 mm→ Toleranz 1 mm.
Neu messen bei Änderungen. Neues Blatt, neues Material, neuer Bediener, neue Vorschubrate setzen die Kalibrierung zurück.
Wert nach Werkstatt-Typ
| Setup | Empfohlene Toleranz |
|---|---|
| Frischer CNC-Router, kalibriertes Programm | 0 mm |
| Neue Panelsäge, scharfes Blatt, Hartholz | 0–1 mm |
| 12-Monate Panelsäge, scharfes Blatt, gemischte Platten | 1 mm |
| Abgenutztes Blatt, weiches MDF / Spanplatte | 1–2 mm |
| Querschnitt-Schlitten an Tischsäge, trockenes Weichholz | 1–2 mm |
| Handgeführte Kreissäge, Plattenware | 2–3 mm |
| Glaskreissäge / Nasssäge, gehärtetes Glas | 0 mm (kein Spielraum) |
| Kaltsäge, Baustahl, scharfes Blatt | 0–1 mm |
| Bandsäge, handgeführte Querschnitte | 2–3 mm |
| Laserschneider | 0 mm (Kerf auf 0,05 mm wiederholbar) |
Standard: 0 mm. Erst nach Messung über null setzen.
Den Toleranz-Zähler lesen
Nach jedem Optimierungslauf zeigt die Ergebnis-Karte den Stat:
Innerhalb Toleranz: 3
Das bedeutet drei platzierte Teile passten nur, weil die Toleranz nicht null war. Als Risiko-Schnitte behandeln:
- Im Layout finden. Diese Teile liegen am Ende eines Stabes / rechten Rand einer Platte.
- Eltern-Material vor dem Schnitt messen.
- Diese zuletzt schneiden in der Arbeitsreihenfolge.
Wenn der Zähler konstant über 10–20 % der Gesamtschnitte liegt, leistet Ihre Toleranz zu viel Arbeit — entweder ist die Schnittfuge zu niedrig oder die Toleranz zu aggressiv. Neu messen.
Wechselwirkung mit anderen Einstellungen
| Einstellung | Wechselwirkung |
|---|---|
| Schnittfuge | Unabhängig. Volle Schnittfuge wird immer subtrahiert; Toleranz lockert nur die Akzeptanzschwelle. |
| Anschnitt / Endschnitt | Unabhängig. Trim schrumpft die effektive Stab/Platten-Länge vor dem Toleranz-Check. |
| Mindestrest | Unabhängig. Toleranz beeinflusst, welche Teile passen; Mindestrest, ob der Rest in Inventar oder Abfall geht. |
| Kosten pro Schnitt | Unabhängig. Schnitt-Zählung pro platziertes Teil. |
| Erste Schnittrichtung | Unabhängig in 2D. Toleranz gilt nach der Erst-Schnitt-Entscheidung. |
Grenzen und Bereiche
| Feature | Type | Description |
|---|---|---|
| Minimum | Zahl (mm) | 0 (deaktiviert — exakte arithmetische Passung erforderlich). |
| Maximum | Zahl (mm) | 20 (Sanity-Cap — solche Werte deuten meist auf Missverständnis hin). |
| Standard | Zahl (mm) | 0. |
| Schritt | Zahl (mm) | 0,5. |
| Plan | Tier | Free — Präzisions-Feature, in jedem Plan verfügbar. |
| Speicherung | Geltungsbereich | Pro Projekt. |
Häufige Fragen
Ändert sich Toleranz mit der Teilegröße? Nein. Schwelle ist konstante mm-Zahl.
Kann Toleranz negativ sein? Nein. Auf ≥ 0 begrenzt.
Gilt Toleranz für die Schnittfuge oder die Teilegröße?
Indirekt für die Teilegröße. Fit-Check: rod.remaining ≥ piece.length + kerf − tolerance.
Hat jedes Teil seine eigene Toleranz? Nicht in der aktuellen Build. Pro-Teil-Toleranz ist geplantes Pro-Feature.
Separate W- und H-Toleranz in 2D? Nein — ein Wert für beide Dimensionen. Unabhängige W/H-Toleranz in der Roadmap.
Wohin als nächstes
- Einstellungen — Schnittfuge, Trim, Kosten pro Schnitt, Währung.
- 1D Längsschnitt — wie der FFD-Packer funktioniert.
- 2D Panelschnitt — Guillotine + W×H Toleranz-Check.
- Holzschnitt — Querschnitt-Gruppierung + Toleranz pro Gruppe.