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Guillotine- vs. Freischnitt-Verschachtelung: Die richtige Schnittstrategie wählen

advanced 15 min read Updated: 1. August 2026
Zwei Schnittstrategien im Vergleich: Guillotine-Schnitte vs. Freischnitt-Nesting
Guillotine vs. Freischnitt — die Maschine bestimmt die Strategie

Wer Plattenmaterial zuschneidet, steht vor einer grundlegenden Entscheidung: Guillotine-Schnitte oder Freischnitt? Die Antwort hängt nicht von der Vorliebe ab, sondern von der Maschine. Eine Formatkreissäge oder Plattenaufteilsäge (Homag, Holzma) kann nur durchgehende, gerade Schnitte ausführen — das ist die Guillotine-Bedingung. Eine CNC-Fräse hingegen kann Teile frei auf der Platte anordnen und einzeln herausarbeiten. Dieser Artikel erklärt beide Strategien, vergleicht ihre Auswirkungen auf den Verschnitt und zeigt, wann welche Methode für Schreiner und Tischler die richtige Wahl ist.

Was Sie lernen: Den technischen Unterschied zwischen Guillotine- und Freischnitt-Nesting, wie sich beide auf den Materialverschnitt auswirken und welche Maschinenausstattung Sie für jede Strategie benötigen.

Was ist ein Guillotine-Schnitt?

Ein Guillotine-Schnitt teilt ein Werkstück mit einem einzigen, durchgehenden Schnitt in zwei Teile. Der Schnitt verläuft von Kante zu Kante — entweder horizontal oder vertikal. Es gibt keine L-förmigen, U-förmigen oder unterbrochenen Schnitte.

Diese Bedingung entsteht durch die Physik der Maschine: Eine Formatkreissäge führt das Werkstück entlang eines Anschlags über das rotierende Sägeblatt. Der Schnitt muss die gesamte Platte oder das verbleibende Reststück durchlaufen.

Guillotine-Stufen: In der Praxis werden Guillotine-Schnitte in Stufen eingeteilt:

  • 1. Stufe: Der erste Schnitt teilt die Rohplatte in zwei Streifen
  • 2. Stufe: Die Streifen werden quer geteilt
  • 3. Stufe: Einzelne Teile werden aus den Abschnitten herausgetrennt

Bei einer Formatkreissäge sind 3–4 Stufen üblich. Plattenaufteilsägen mit automatischer Zufuhr schaffen bis zu 5 Stufen. Mehr Stufen ermöglichen feinere Teilung und weniger Verschnitt — aber die Schnittplanung wird komplexer.

Was ist Freischnitt-Nesting?

Beim Freischnitt (auch: True Shape Nesting oder Free-Cut) werden die Teile ohne Guillotine-Beschränkung auf der Platte angeordnet. Jedes Teil wird einzeln ausgeschnitten — der Fräser oder Laser fährt die Kontur jedes Teils ab.

Voraussetzung: Eine CNC-Portalfräse (Nesting-CNC) oder ein Laserschneider. Handgeführte Maschinen können keinen Freischnitt ausführen.

Bei der Freischnitt-Verschachtelung können Teile enger gepackt werden, weil keine durchgehenden Schnittlinien eingehalten werden müssen. Ein Teil kann z. B. in eine L-förmige Lücke geschoben werden, die bei Guillotine-Schnitten unnutzbar wäre.

Wo die Guillotine-Bedingung Material kostet

Die Guillotine-Bedingung erzwingt durchgehende Schnitte, die oft durch Bereiche verlaufen, in denen eigentlich ein Teil liegen könnte. Ein Beispiel:

Stellen Sie sich zwei Teile vor: 800 × 500 mm und 400 × 300 mm. Bei Freischnitt können Sie das kleine Teil in die Ecke neben dem großen legen. Bei Guillotine-Schnitt muss der waagerechte Schnitt, der das große Teil abtrennt, die gesamte Plattenbreite durchlaufen — und schneidet damit den Platz für das kleine Teil ab.

Der Freischnitt hat also im Prinzip mehr geometrische Freiheit und kann dichter packen. Wie viel davon in Ihrem Auftrag ankommt, entscheidet aber nicht die Bedingung allein, sondern der Algorithmus und Ihr Teilemix. Wer Ihnen dazu eine Prozentzahl nennt, ohne Ihren Teilemix gesehen zu haben, rät.

Was wir gemessen haben

Am 31.07.2026 haben wir denselben Auftrag mit 2.000 Teilen durch unsere beiden eigenen Engines geschickt: die in der App voreingestellte Guillotine-Suche (mehrere Strategien, beste gewinnt) und die über die Engine API verfügbare MaxRects-Freischnitt-Engine.

Guillotine (Mehrstrategie-Suche)Freischnitt (MaxRects)
Ausbeute bei diesem Auftrag93,2 %90,3 %
Rechenzeit≈1715 ms≈62 ms — etwa 25× schneller
Auf der Säge umsetzbarImmer — jeder Schnitt läuft von Kante zu KanteHäufig nicht guillotine-schneidbar

Bei der Ausbeute lag die Guillotine-Suche vorn. Das ist eine Messung an einem Teilemix, kein Gesetz: ein anderer Mix, eine andere Freischnitt-Implementierung oder mehr Rechenzeit können das Ergebnis umdrehen. Zwei Aussagen erledigt es aber. Die Guillotine-Bedingung ist nicht automatisch ein Ausbeuteverlust — hier hat gerade die eingeschränkte Engine mehr gesucht und gewonnen. Und „Freischnitt ist immer besser” ist nicht belegbar — von uns nicht und von niemand anderem, solange keine Messung dabei liegt.

Was der Freischnitt in diesem Vergleich sicher gebracht hat, ist Geschwindigkeit. Was er sicher gekostet hat, ist ein Layout, das eine Plattenaufteilsäge nicht schneiden kann.

Zur Größenordnung bei einem kleinen Auftrag: der eingebaute Demo-Auftrag von CutOptim — 40 Teile aus 2.440 × 1.220 mm bei 3 mm Schnittbreite — passt auf 2 Platten mit 83,28 % Ausbeute, bei 44 Schnittlinien und 61 Sägeschnitten. Ihre eigenen Zahlen werden von allen drei abweichen, weil Teileliste, Plattenformat, Schnittbreite und Drehregeln andere sind. Messen Sie Ihre eigene Schnittliste, statt eine Prozentzahl aus einem Artikel zu übernehmen — auch aus diesem nicht.

Direktvergleich: Guillotine vs. Freischnitt

EigenschaftGuillotine-SchnittFreischnitt (CNC)
MaschineFormatkreissäge, PlattenaufteilsägeCNC-Fräse, Laser
Schnittbreite3,0–3,5 mm (Sägeblatt)6 mm (Fräser) / 0,2 mm (Laser)
VerschnittHängt vom Teilemix ab — selbst messenHängt vom Teilemix ab — selbst messen
VerschnittformRechteckige Streifen, gut wiederverwendbarUnregelmäßige Zwischenräume
MaserungsrichtungJa, berücksichtigtJa, berücksichtigt
Bearbeitungszeit (20 Teile)15–25 Min.30–60 Min.
Investition Maschine5.000–25.000 €40.000–150.000 €
KantenqualitätSauber, nachbearbeitung seltenFräskante, oft Nachschliff nötig
VerschachtelungskomplexitätMittelhochHoch

Guillotine-Schnitt in der Praxis

Für die meisten Schreinereien und Tischlereien ist der Guillotine-Schnitt der Standardfall. Die Gründe:

Maschinenpark: Eine Formatkreissäge ist die Grundausstattung jeder Werkstatt. Investition: 5.000–15.000 € für ein gutes Modell mit Vorritzeinrichtung. Eine CNC-Fräse kostet das 5- bis 10-Fache.

Plattenaufteilsägen (Homag Sawteq, Holzma, SCM Gabbiani) automatisieren den Guillotine-Zuschnitt für mittlere und große Betriebe. Die Maschine fährt die Schnitte aus dem Optimierungsergebnis automatisch ab — der Bediener legt nur die Platten auf.

Schnittbreite: Das Sägeblatt entfernt 3,0–3,5 mm pro Schnitt. Bei einer CNC-Fräse mit 6-mm-Fräser ist es fast doppelt so viel. Was der Freischnitt an Packdichte gewinnt, gibt er über die breitere Fräsnut teilweise wieder ab — ein Grund mehr, den Vergleich mit Ihren echten Werten zu rechnen statt mit Faustzahlen.

Freischnitt-Nesting in der Praxis

CNC-Nesting lohnt sich für Betriebe mit hohem Durchsatz oder speziellem Teilemix:

Viele kleine Teile: Wenn der Auftrag viele verschiedene kleine Teile enthält (z. B. Schubladenfronten, Regalböden, Sichtblenden), kann der Freischnitt diese dichter packen als Guillotine-Schnitte.

Formteile: Bei nicht-rechteckigen Teilen (Radien, Aussparungen) ist CNC-Nesting die einzige Option. Die Formatkreissäge kann nur Rechtecke schneiden.

Hohe Stückzahlen: Ab ca. 200 Teilen pro Tag wird CNC-Nesting effizienter als manueller Sägebetrieb, weil die Maschine autonom arbeitet.

Achtung: Beim CNC-Nesting mit 6-mm-Fräser müssen Sie die Schnittbreite auf 6 mm setzen — nicht auf 3,2 mm wie bei der Formatkreissäge. Viele Anwender vergessen das und erhalten Schnittpläne, die in der Realität nicht aufgehen.

Guillotine-Stufen und ihre Auswirkung

Die Anzahl der erlaubten Guillotine-Stufen beeinflusst, wie fein die Platte überhaupt aufgeteilt werden kann — und damit, wie viel Verschnitt am Ende übrig bleibt:

Guillotine-StufenFreiheitsgrad der AufteilungAufwand an der Säge
2 StufenStreifen, dann Querschnitte — sehr eingeschränktAm geringsten, schnell gesägt
3 StufenStandardfall der FormatkreissägeÜblich
4 StufenMehr Kombinationen pro Platte möglichMehr Umsetzen und Handling
5 StufenPraktisch nur mit automatischer ZufuhrNur für Plattenaufteilsägen sinnvoll
FreischnittKeine Stufenlogik, freie PlatzierungCNC erforderlich, Programmierung

Mehr Stufen erlauben feinere Aufteilung, kosten aber Handling — und wie viel Ausbeute die zusätzliche Stufe bei Ihrem Teilemix wirklich bringt, ist eine Messung, keine Tabellenzeile.

CutOptim berechnet Guillotine-kompatible Schnittpläne, die auf einer Formatkreissäge umsetzbar sind. Jeder Schnitt verläuft dabei von Kante zu Kante. Eine einstellbare Stufenzahl gibt es nicht — der Optimierer prüft mehrere Regal- und Spaltenstrategien und behält die beste Anordnung; steuern lässt sich die Richtung des ersten Schnitts über die Einstellung „Erste Schnittrichtung”. Die App selbst arbeitet ausschließlich guillotine, ohne Umschalter. Echtes Freischnitt-Nesting gibt es separat als optionale balanced-Engine über die CutOptim Engine API — ein API-Aufruf muss sie ausdrücklich anfordern, die Voreinstellung der App bleibt unverändert.

Wann lohnt sich der Wechsel zur CNC?

Die Entscheidung zwischen Formatkreissäge und CNC-Nesting ist eine Investitionsentscheidung. Rechnen Sie so:

Materialersparnis durch CNC: Diese Zahl können wir Ihnen nicht liefern, und niemand sonst kann das auch. Nehmen Sie eine repräsentative Auftragsliste, lassen Sie sie einmal guillotine und einmal frei verschachteln und rechnen Sie die Differenz in ganze Platten um — erst das mal Jahresverbrauch mal Plattenpreis ergibt eine belastbare Ersparnis. Unsere eigene Messung oben zeigt, warum die Abkürzung nicht funktioniert: dort war die freie Verschachtelung bei der Ausbeute schlechter, nicht besser.

Zeiteinsparung: CNC arbeitet autonom. Wenn dadurch 2 Stunden Sägearbeit pro Tag entfallen (250 Arbeitstage, 40 €/h Stundensatz): 20.000 € pro Jahr.

Diese zweite Rechnung steht auf Zahlen, die Sie kennen — Arbeitsstunden und Stundensatz. Genau deshalb amortisiert sich die Maschine in der Praxis meist über die Arbeitszeit und nicht über das Material.

Pro-Tipp: Wenn Sie mit einer Formatkreissäge arbeiten, stellen Sie sicher, dass Ihre Schnittlisten-Software Guillotine-kompatible Pläne erzeugt. Ein Freischnitt-Plan ist auf der Säge nicht umsetzbar — Sie verschwenden Zeit mit manuellem Umplanen.

Hybride Ansätze

Manche Betriebe kombinieren beide Methoden:

  • Großformatige Teile (Seitenwände, große Böden) werden auf der Plattenaufteilsäge mit Guillotine-Schnitten zugeschnitten
  • Kleine Teile und Formteile werden auf der CNC-Fräse genistet

Dieser Hybridansatz nutzt die Stärken beider Verfahren: schnelle Säge für große Teile, flexible CNC für den Rest.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Guillotine-Schnitt-Bedingung?
Bei einer Guillotine-Schnitt-Bedingung muss jeder Schnitt die gesamte Platte oder das verbleibende Stück von einer Kante zur gegenüberliegenden durchlaufen — so arbeiten Plattenaufteilsägen und Balkensägen.
Erzeugt Freischnitt-Verschachtelung immer weniger Verschnitt als Guillotine-Schnitt?
Nicht zwangsläufig. Der Freischnitt hat mehr geometrische Freiheit und kann im Prinzip dichter packen — welche Methode tatsächlich vorn liegt, entscheidet aber nicht die Bedingung allein, sondern der Algorithmus und der Teilemix. In unserer eigenen Messung an rechteckigen Teilen lag unsere Guillotine-Mehrstrategie-Suche vor unserer Freischnitt-Engine: 93,2 % Ausbeute gegenüber 90,3 %. Messen Sie Ihren eigenen Auftrag, statt in eine Richtung zu vermuten.

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